Oskar Kokoschka (1886–1980) widmete einen wesentlichen Teil seines Spätwerks der Illustration großer antiker Texte. Homers Odyssee nahm dabei eine herausragende Stellung ein und wurde zu einem seiner ambitioniertesten Projekte. In einer eindrucksvollen Serie von Lithografien identifizierte sich der Künstler zutiefst mit Odysseus – dem wandernden, zutiefst menschlichen Helden, der gleichermaßen Stärke wie Verletzlichkeit verkörpert. Kokoschkas Arbeiten gehen dabei weit über eine reine Illustration hinaus: Sie sind eine eindringliche Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz, ihren Prüfungen und Hoffnungen, und spiegeln zugleich sein eigenes, von Konflikten und Exil geprägtes Leben wider.
Fasziniert von der erzählerischen wie auch moralischen Dimension des Epos verstand Kokoschka die Odyssee als Sinnbild einer inneren Suche nach Versöhnung. Seine intensive, expressive Bildsprache verleiht dieser persönlichen Reflexion Ausdruck und entfaltet eine Bildwelt, in der Allegorie und Metapher eine zentrale Rolle spielen. Mit dieser Werkserie formuliert Kokoschka eine universelle Botschaft von Freiheit, Widerstandskraft, Verantwortung und Mut – und lädt dazu ein, das Leben trotz aller Widrigkeiten bewusst und erfüllt zu gestalten.
Eine Ausstellung unter der Leitung von Aglaja Kempf, Kuratorin der Oskar Kokoschka-Stiftung.



